r Von dem, was bleibt
Lisa Blatter, Schweiz, 2025o
Nachdem seine Freundin Selma eine Fehlgeburt erlitten hat, soll Nori sie vom Krankenhaus abholen. Doch er findet sich plötzlich in einem Park wieder, mit Blut am Kopf und ohne jede Erinnerung. Gemeinsam und doch allein versuchen Nori und Selma, die tragischen Ereignisse zu verarbeiten. Je mehr ihre Erinnerungen an das, was sie einst verband, verblassen, desto weiter entfernen sie sich voneinander. Wie viel kann ihre Liebe aushalten?
Nori erwacht verletzt und mit Erinnerungslücken im Park. In der Wohnung findet er statt seiner schwangeren Freundin Selma blutige Bettwäsche. Sein «Filmriss» wird für ihn und Selma zum Prüfstein ihrer Beziehung – wobei sich seine Amnesie weniger als Plottreiber denn als Metapher für Verdrängen und Nichtreden erweist. Der erste Film der Zürcher Regisseurin Lisa Blatter (Skizzen von Lou) nach fast zehn Jahren ist vor allem einer über das Schweigen: über das, was nicht gesagt wird, über verdrängte Erfahrungen, Traumata und Erinnerungen. Selma (Carla Juri) erfährt Dinge über Noris (Dashmir Ristemi), die er nie geteilt hat, während beide kaum über die eben erlittene Fehlgeburt reden. Entscheidend bleibt die anhaltende Unsicherheit durch das Unausgesprochene. Dabei weist der Film ein paar Reibungen mit der Alltagslogik auf: so, wenn Noris Telefon nach einem Autounfall bei Selma landet, ohne dass polizeiliche Nachfragen erfolgen. Solche Leerstellen irritieren, zumal ihre Schliessung teils leichtfiele. Doch der Film verweigert gezielt die Logik des Aufdeckens zugunsten einer Dramaturgie des Verschweigens. Auf dieser Ebene überzeugt er: Juri und Ristemi machen Schmerz, Leere und Entfremdung ebenso spürbar wie fragile Nähe. Traum- und Erinnerungsbilder, wiederkehrende Motive wie jenes eines Wolfes sowie die starke Körperlichkeit der Figuren verdichten das Thema. Nori bleibt physisch präsent, emotional jedoch unzugänglich. Im Schweigen findet der Film seine Mitte. Weil die Frage nach dem tatsächlich Geschehenen das Zuschauerinteresse aufrechterhält, droht die gezielte Verzögerung von Antworten jedoch bisweilen stärker zu frustrieren, als die emotionale Bindung zu tragen.
Michael SennhauserGalerieo
