Ewigi Liebi
Pierre Monnard, Schweiz, 2026o
Heidi und Daneli sind Anfang 50, als sie sich nach 30 Jahren wieder begegnen. Beide stammen aus Trueb im Emmental und waren ineinander verliebt, bis sich ihre Wege trennten, weil sich Daneli nach einer Lüge seines Bandkumpels Ferdinand auf eine Nacht mit der Dorfschönheit Sabe einliess. Doch Heidi erwischte sie, wendete sich von Daneli ab und heiratete Ferdinand. Heute führt Daneli einen Musik-Plattenladen in Zürich, muss diesen aber wegen Sanierung räumen. Bauherrin ist ausgerechnet Heidi, die mit Ferdinand eine Immobilienfirma führt. So begegnen sich die beiden wieder und würden alles dafür geben, könnten sie die Zeit zurückdrehen.
Schnulzen, Herzschmerz und Nostalgie gehören zu Musicals wie Butter und Hefe zum Zopf. Es wäre deshalb müssig, diese Zutaten bei der Verfilmung des erfolgreichsten Schweizer Musicals aller Zeiten zu bemängeln. Mehr als 700'000 Deutschschweizer:innen haben die Revue der grössten Berner Mundarthits seit der Premiere von 2007 gesehen und sind mit dem Liebespaar Dänu & Heidi durch ihre eigene Geschichte mit den besagten Ohrwürmern, der Liebe, Enttäuschungen und unverhofften Versöhnungen gereist. Die Filmversion von Urs Bühler (Drehbuch) und Pierre Monnard (Regie) peppt die Rückblenden-Struktur der Bühnenvorlage zur romantischen Komödie nach dem Back-to-the-Future-Prinzip auf: Nachdem das jung gescheiterte Emmentaler Paar dreissig Jahre später als Immobilien-Spekulantin und Inhaber eines todgeweihten Plattenladens wieder aufeinandergetroffen ist und sich seine hartnäckigen Gefühle widerstrebend eingestanden hat, reisen beide dank einer wundersamen WC-Spülung (kein Witz) in die Vergangenheit zurück, um ihre jugendlichen Alter Egos zu beschwatzen und die damals vermasselte Liebe für die Zukunft zu retten. Natürlich geht dies mehrfach schief, und erst recht kommt es dabei zu einigem dramaturgischen Murks um die läppische Frage, wer damals wen zuerst betrogen hat. Doch der Trick mit der Zeitmaschine gibt dem Film seinen komödiantischen Drive, und während sich das junge Paar (Luca Hänni und Elena Flury) in Schlagerkitsch und melodramatischer Biederkeit mit angestrengt komischen Nebenfiguren verheddert, schöpfen die Berner Ex-TV-Moderatorin Susanne Kunz und der bewährte Zürcher Krimidarsteller Pasquale Aleardi das komische Potenzial als gealtertes Paar genüsslich aus. Fans des Bühnenmusicals müssen sich mit einem knappen Drittel der dort verarbeiteten Hits und einigen mässigen neueren begnügen, Filmfans werden mit den gelungeneren Einfällen zur Zeit- als Gagmaschine für ein paar Worst-of-Musical-Momente entschädigt. Sollte an den Kassen erneut funktionieren.
Kerstin BlankGalerieo
