r La femme la plus riche du monde
Thierry Klifa, Frankreich, Belgien, 2025o
Marianne ist mit ihrer Schönheit, Intelligenz und Macht die reichste Frau der Welt. Pierre-Alain ist ein Schriftsteller und Fotograf in Paris. Sie lernen sich bei einem Fotoshooting kennen und werden unzertrennlich. Ihre liebevolle Freundschaft überrascht und verunsichert das Umfeld und die Familie der Milliardärin. Vor allem Mariannes Tochter hat Schwierigkeiten mit der plötzlichen Vertrautheit ihrer Mutter mit diesem jüngeren Mann, der nach Geld giert.
Wenn Marianne Farrère, die reichste Frau der Welt, behauptet, sie sei unsterblich, dann ist es Isabelle Huppert, die man sprechen hört. Die 73-jährige französische Schauspielerin, ein Star unter den Stars, ist die reine Negierung des Alterns. Von den Höhen des Olymp scheint sie niemals herabzusteigen, mit unerbittlicher Strenge reiht sie Film an Film und schreitet Jahr für Jahr über die roten Teppiche von Cannes, Berlin und Venedig. Als lebendes Monument ist die Schauspielerin eigentlich zu gross für La femme la plus riche du monde, einen kleinen Film, der sich mit seiner Besetzung etwas aufplustert. Mangels einer erkennbaren Inszenierungshandschrift macht die Besetzung den Film aus. An Hupperts Seite spielt sich Laurent Lafitte zum Höhepunkt seiner Karriere in diesem Drama über bourgeoise Dekadenz, vulgären Karrierismus und eine Familiengeschichte, die von nationalsozialistischen Verstrickungen befleckt ist. Die Handlung ist lose von der Affäre Bettencourt inspiriert, der französischen L’Oréal-Erbin, die Anfang der 2000er Jahre im Zentrum eines Polit- und Finanzskandals stand. Deren Tochter beschuldigte damals einen Fotografen, der grosszügig von Bettencourt finanziert wurde, die Schwäche ihrer Mutter auszunutzen. In der Rolle einer steinreichen Geschäftsfrau wirft Huppert einen abgeklärten Blick auf ihren Ehemann und ihre Tochter. Die Begegnung mit dem absoluten Bösen – hier verkörpert durch einen skrupellosen Künstler (Lafitte) – bringt neuen Reiz in ihr Leben. Als hemmungsloser Possenreisser hat dieser niemals Bedenken, zu weit zu gehen. Der Hofnarr der Königin bringt sie dazu, Schecks zu unterschreiben, mit denen sie ihre Langeweile vertreibt und ihr Vermögen verbrennt. Nichts ist sauber in dieser gut gepolsterten Falle: Die antisemitischen Schriften von Marianne Farrères Ehemann, verfasst in der Vichy-Republik, tauchen wieder auf, und ein Butler nimmt seine Rolle als Beschützer der Familie allzu ernst … Huppert verliert die Kontrolle, Lafitte kennt keine Grenzen, zwei Monster des Kinos verzehren sich: Genug, um beide unsterblich zu machen.
Émilien Gür
