r Fuori
Mario Martone, Italien, Frankreich, 2025o
Rom, 1980. Die Schriftstellerin Goliarda Sapienza, bekannt durch den Roman Die Kunst der Freude, landet wegen wegen Schmuckdiebstahls im Gefängnis, doch die Begegnung mit einigen jungen Insassinnen erweist sich für sie als eine Art Wiedergeburt. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis, in einem heissen italienischen Sommer, treffen sich die Frauen weiterhin, und Goliarda knüpft eine tiefe Beziehung zu Roberta, die politische Aktivistin und Straftäterin zugleich ist. Eine Beziehung, die kein Aussenstehender versteht, doch in Goliarda weckt sie die Freude am Leben und den Drang zum Schreiben wieder.
Der italienische Regisseur Mario Martone hat ein Dutzend Spielfilme gedreht, von denen nur eine Handvoll den Weg in die Schweizer Kinos gefunden hat. Das ist bitter, da er zu den stärksten Filmemachern seiner Generation zählt. Immerhin ist sein Werk seit Nostalgia aber wieder in den Händen eines Schweizer Verleihers, der nun auch Fuori herausbringt. Es hilft, wenn man weiss, dass dieser Film auf einer Vorlage der italienischen Partisanin und Schriftstellerin Goliarda Sapienza (1924–1996) beruht, die bis heute für ihren postum erschienenen Roman Die Kunst der Freude bekannt ist. Die engagierte Feministin sass zu Beginn der 1980er-Jahre wegen Schmuckdiebstahls im Gefängnis und schloss dabei tiefe Freundschaften mit anderen Frauen hinter Gittern. Der Regisseur greift diese Lebensphase Sapienzas auf, indem er zwei fantastische Schauspielerinnen – Valeria Golino und Matilda De Angelis – als dieses Gespann inszeniert, wie es durch Rom streift, tagsüber mit reichlich Whisky die Caféterrassen bevölkert und nachts in gestohlenen Autos herumfährt ohne ein anderes Ziel, als die von Verlangen durchdrungene Freundschaft zu erkunden. Der Film verschmilzt mit den langen Spaziergängen der beiden durch die ewige Stadt, nimmt ihre Freuden und Leiden auf und macht sich ihren Rausch und ihre Freiheit zu eigen. Der Soundtrack hüllt dieses existenzielle Flanieren in exzellenten Jazzgroove (Duke Ellington, John Coltrane, Robert Wyatt), bis man mit den Protagonistinnen zu träumen anfängt: dass die Nacht niemals ende und mit ihr auch nicht der Film.
Émilien GürGalerieo
