r Diamanti
Ferzan Özpetek, Italien, 2024o
Eine Gruppe von Schauspielerinnen wird von einem berühmten Regisseur kontaktiert, mit dem jede von ihnen bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. Der Filmemacher hat sie zusammengebracht, weil er von allen Darstellerinnen, mit denen er im Laufe seiner Karriere am Set zusammengearbeitet hat, ihre Arbeit am meisten schätzt. Sein Projekt: ein Film über Frauen, dessen Details jedoch noch geheim sind. Er lässt sie arbeiten, beobachtet sie und lässt sich inspirieren, bis seine Fantasie sie in eine andere Zeit versetzt: eine Vergangenheit, in der das Geräusch von Nähmaschinen eine von Frauen geführte und bewohnte Werkstatt erfüllt, in der Männer nur Nebenrollen spielen und in der das Kino aus einer anderen Perspektive erzählt werden kann: der des Kostüms.
Wie frühere Filme des italienisch-türkischen Regisseurs Ferzan Özpetek beginnt Diamanti mit einer grossen Tavolata: Ein Regisseur, gespielt von Özpetek selbst, lädt die Darstellerinnen seines neuen Films zum Essen und zu einer ersten Drehbuchlesung in den lauschigen Garten einer Römer Villa ein. So sind wir bald mittendrin in diesem Film im Film, der von einer Schneiderei im Rom der siebziger Jahre handelt, die prächtige Kostüme für Theater und Film herstellt und von zwei Schwestern geführt wird: Alberta (Luisa Ranieri), stets chic gekleidet, leitet das mittelgrosse Unternehmen mit strenger Miene, ihre Schwester Gabriella (Jasmine Trinca) hingegen ist wegen eines privaten Dramas innerlich oft abwesend. Der Grossauftrag einer Oscar-prämierten Kostümbildnerin (Vanessa Scalera) hält schliesslich alle auf Trab, wobei wir die Frauen nach und nach auch in ihrem privaten Umfeld kennenlernen: da eine Angestellte, auf die zuhause ein gewalttätiger Mann wartet, dort eine junge Demonstrantin, die sich im Atelier versteckt und anfängt, Kostüme kreativ zu bearbeiten, schliesslich die Köchin des Hauses, welche die Schneiderinnen mit ihren Lasagne, Salaten und Dolci auch seelisch verköstigt und damit das heimliche Herz des Unternehmens bildet. Daraus resultiert eine Liebeserklärung an die Frauen: an ihre Energie und ihren Durchhaltewillen, ihre Schönheit in allen Lebensaltern und ihren Zusammenhalt. Das ist humorvoll und flüssig erzählt, punktuell mit einem Hauch Kitsch und dennoch berührend. Inspirieren liess sich der Regisseur von seinen Erinnerungen an die 70er-Jahre, als er als unerfahrener Regieassistent bei der berühmten Schneiderei Tirelli zu Besuch war. Tirelli stellte etwa die prächtigen Kostüme für Viscontis Il Gattopardo her. Dem entsprechend ist Diamanti auch eine Augenweide.
Kathrin HalterGalerieo
